Gläser, Blumen, Essbesteck und Teller haben Maler bereits in der Antike fasziniert. Damit demonstrierten die Maler ihre Kunstfertigkeit und schufen zugleich symbolische Bilder zum Verhältnis von Realität und Kunst. Zu einem eigenständigen Genre aber wurden dieser Motivbereich erst im 17. Jahrhundert vor allem in Flandern. Da präsentierte man dem Betrachter Dinge, die ihm vertraut waren, sofern er einer gehobenen Gesellschaftsschicht angehörte, so naturgetreu, dass er versucht war, nach ihnen zu greifen – wie bereits in der Antike, als der Sage nach Vögel nach gemalten Weintrauben zu picken versuchten. An diese Maltradition fühlt man sich in der Ausstellung von Vera Mercer in der Galerie Schlichtenmaier in Dätzingen erinnert.
Spiel und Ernst: „Elektronische Lebensphilosophie“ von Walter Giers im Museum Ritter
Wenn jemand Industriedesign studiert hat, kann er die Welt verändern, indem er sie schöner oder bequemer zugänglich macht – oder er kann mithilfe der Technik die Fantasie anregen. Der 1937 geborene und 2016 verstorbene Walter Giers hat in seinem Leben beides gemacht. In Schwäbisch Gmünd hat er mit seinem Büro Form und Funktion für den Alltag zu vereinen versucht, am Zentrum für Kunst- und Medientechnologie in Karlsruhe hat er seine Erkenntnisse Studenten vermittelt – und diese Erkenntnisse hatte er durch seine wissenschaftliche Analyse, vor allem aber durch seine künstlerische Arbeit gewonnen, denn Giers hat seit den 60er Jahren Objekte entwickelt, die vor allem mit Klang und Licht arbeiteten und den Betrachter als Mitstreiter aktivieren. Das Museum Ritter zeigt einen Überblick über sein Schaffen, in dem die Grenze zwischen technischer Konstruktion und kreativer Fantasie spielerisch nivelliert wird. Es ist eine Kunst, die zum Nachdenken anregt und zum Schmunzeln inspiriert.
Zweimal Ich, 1994 © Nachlass Walter Giers. Foto: Horst Simschek
Mittel vom Hier zum Dort – Brücken in der pro arte-Stiftung Biberach
Ohne sie wäre der Weg von einem Berg zum anderen sehr weit – und würde entsprechend lange dauern. Mit einer Brücke kann man Distanzen überwindend verkürzen. Und infolgedessen Zeit sparen. Kein Wunder, dass Brücken im Sprachgebrauch weitgehend positiv besetzt sind. Man baut Brücken – um den Abstand zu anderen Menschen zu überwinden, man bricht Brücken ab, um lang vertraute Verbindungen zu beenden, die mit Brücken weiter Bestand hätten. So haben Brücken auch in der Kunst eine große und vielsagende Funktion, wie jetzt eine Ausstellung in der Stiftung pro arte in Biberach zeigt, die im Titel denn auch das Verbindende dieses Bauwerks betont: „Überbrückt“.
Hans Gassebner, Brücke (bei Gerhausen), 1929. Foto: U. Schäfer-Zerbst
Nature meets Art in der Fähre Bad Saulgau
Genau genommen sind Natur und Kunst Gegensätze: Das eine ist gewachsen, das andere gemacht, das eine ohne menschliches Zutun, nicht selten dem Zufall entsprungen, das andere produziert, von Menschenhand gestaltet, im Idealfall mit bewusster Aussage. Eine Ausstellung in der Fähre in Bad Saulgau zeigt derzeit, wie die beiden einander so fernen Bereiche sich zur Einheit fügen können, indem die Kunst ihren Ausgangspunkt von der Natur nimmt, diese dann aber in etwas gänzlich Neues verwandelt.
Die psychologische Studie eines Realisten: Anthony Trollopes Roman: „He Knew He Was Right“ in neuer Übersetzung: „Hatte er nicht recht?“
Definiert man den literarischen Realismus als die Literaturgattung, die mithilfe des dichterischen Wortes ein glaubhaftes Porträt der Welt zeichnet, dann zählt Anthony Trollope zu den herausragenden Vertretern dieses Fachs, auch wenn er in Deutschland nahezu unbekannt ist. Erst peu à peu (im wahrsten Sinn der Bezeichnung) erscheinen seine Romane – er schrieb insgesamt rund vierzig – auch in deutscher Sprache; jetzt ein Werk, das er selbst für misslungen hielt, ganz im Unterschied zu seinen Lesern – zumindest in England, wo er auch heute zu den populären Autoren zählt –, die diesen Roman sehr schätzen; so wurde er 2004 von der BBC in einer vierteiligen Serie für das Fernsehen bearbeitet. Jetzt ist er in deutscher Sprache herausgekommen: Hatte er nicht recht?
Der Natur sehr nahe: „Landleben“ in der Kunststiftung Hohenkarpfen
Natürlich gibt es das Leben auf dem Land auch heute noch, so altmodisch der Begriff auch anmuten mag. Doch mit dem krassen Gegensatz, mit dem in früheren Zeiten Land- und Stadtleben gegeneinander abgegrenzt wurden, hat es wenig zu tun. So wirft die Ausstellung, die die Kunststiftung Hohenkarpfen unter diesem Titelwort präsentiert, denn auch eher einen Blick in die Vergangenheit, auch wenn die Jetztzeit nicht ganz ausgeblendet ist.
Johann Sperl, Hochzeitszug auf der Schwäbischen Alb, 1873/74. Foto: U. Schäfer-Zerbst
Vom Wesen der Farbe: Emil Kiess in der Orangerie in Donaueschingen
Zitrusbäume waren in früheren Zeiten ein ganz besonderer Luxus. Zum einen wuchsen an ihnen Früchte, die man nur aus dem sonnigen Süden kannte, zum anderen bedurften sie in der kalten Jahreszeit eines besonderen Schutzes: Dafür wurden eigens nach ihnen benannte Gebäude errichtet, die Orangerien: hell, mit viel Glas, nicht selten auch beheizbar. Doch ihre Nutzfunktion gehört der Vergangenheit an. Die Folge: nicht selten Leerstand und damit oft verbunden baulicher Verfall. Die zum Fürstenhaus in Donaueschingen gehörende Orangerie wurde aus Denkmalschutzperspektive inzwischen perfekt wiederhergestellt, doch für die Nutzung fehlten realisierbare Projekte. Derzeit bietet sie Raum für eine Kunstausstellung mit Werken von Emil Kiess.
Kunst-Erleben bei Beat Zoderer
Kunst und Lebenswelt sind zwei gesonderte Sphären. Im Fall des Schweizers Beat Zoderer gehen sie eine geradezu symbiotische Verbindung ein: Seine Arbeiten sind ohne sein Erleben der anderen undenkbar. Auf diese Weise wirkt sein Schaffen meist sehr vertraut und verblüfft den Betrachter dennoch im selben Augenblick.
Das große Kreuzworträtsel, 1984 © VG Bild-Kunst, Bonn. Foto: U. Schäfer-Zerbst
Natur wird Kunst – Bilder vom Blühen im 20. Jahrhundert
Es galt, die Üppigkeit der Blumen möglichst naturgetreu wiederzugeben, und das mit Pinsel und Farbe. Die Niederländer vollbrachten dabei im 17. Jahrhundert wahre Malwunder. Doch die Zeit, in der die Malerei die Realität abzubilden hatte, ist längst Geschichte, und so sollte man meinen, ein Blumenstillleben habe in der Kunst des 20. Jahrhunderts, gar der Gegenwart, keinen Platz. Doch weit gefehlt, wie eine Ausstellung in der Galerie Schlichtenmaier zeigt: „Blumen und andere florale Impressionen“.
Künstlerische Waldwelten von heute
Es ist eines der berühmtesten Waldtiere der Welt – Bambi, das Reh mit dem unnachahmlichen Augenaufschlag. Doch dieses Tier ist reine Fiktion, erdacht in den Studios von Walt Disney – nach einem zwei Jahrzehnte davor entstandenen Roman von Felix Salten, dessen Buch mit der härteren Alltagswelt der Tiere mehr zu tun hat als die Kinoversion. Kein Wunder, dass Künstlern von heute beim Thema Wald das braune Hochwild nicht in den Sinn kommt, wie jetzt eine Ausstellung im Forum Kunst in Rottweil zeigt.




